Smart and Healthy Living, Fraunhofer EMFT

Von München nach Chile

6.1.2020

Matthias Steinmaßl von der Fraunhofer EMFT hat seinen Arbeitsplatz von München nach Chile verlegt. Im Interview berichtet er über das Mobilitätsprogramm »CONNECT People« und seine Zeit in dem südamerikanischen Land.

© Fraunhofer-Gesellschaft
Matthias Steinmaßl mit seiner Ausrüstung.

Sie sind mit dem Fraunhofer-internen Mobilitätsprogramm CONNECT People nach Chile gereist. Was genau darf man sich darunter vorstellen?

Ein Doktorand sitzt in einem Labor am Stadtrand von Santiago mit Blick auf die Anden. Nachdem er am Vormittag mit seinem Team an Experimenten gearbeitet hat, versucht er am Nachmittag, im Gewimmel der Stadt Besorgungen zu tätigen, um mit seinen Versuchen am nächsten Tag voranzukommen. An den Wochenenden steht er vor der schwierigen Entscheidung, ob er zu seinen Wanderschuhen oder (die Dissertation will ja irgendwann fertig werden) zur Laptoptasche greifen soll.

Welche Möglichkeiten bietet CONNECT People für die Teilnehmenden?

CONNECT People schafft für Mitarbeitende – egal ob diese aus der Technik, der Wissenschaft oder der Verwaltung kommen – die Chance, Auslandsaufenthalte durchzuführen. Das Programm möchte die Zusammenarbeit und Synergien mit Fraunhofer-Niederlassungen im Ausland stärken. Der Auslandsaufenthalt wird im Rahmen einer Dienstreise abgewickelt. Außerdem gibt es begleitende Maßnahmen zur Personalentwicklung.

An welchem Projekt arbeiten Sie vor Ort?

Gemeinsam mit dem Fraunhofer IME in Aachen forschen wir an einem Gerät zum Nachweis virenverursachter Pflanzenkrankheiten für den Feldeinsatz. In meinem Reisegepäck befanden sich (zollrechtlich korrekt abgefertigte) Prototypen von Biosensoren, welche in diesem Gerät zum Einsatz kommen werden. Im Centro de Biotecnología de Sistemas – meiner aktuellen Arbeitsstätte – nutzen wir diese Sensoren erstmals, um die Nachweisreaktionen elektronisch auszuwerten. Es ist ein spannendes interdisziplinäres Projekt.

Welche interkulturellen Unterschiede können Sie in den Arbeitsabläufen feststellen?

In vielen Dingen sind wir uns sehr ähnlich. Wenn wir diskutieren, geht es um die grundlegenden Prinzipien, es wird Klartext gesprochen und wir strukturieren unsere Pläne bis ins Detail. Was mit diesen Plänen dann geschieht, damit gehen wir durchaus unterschiedlich um. Flexibilität werde ich hier lernen. Genauso die Freude an der Arbeit, die auch aus den Beziehungen lebt, die man am Arbeitsplatz pflegt. Ich glaube, in meiner strikten Aufgabenfixierung erfülle ich das klassisch deutsche Stereotyp.

Auf welche Herausforderungen sind Sie bei der Vorbereitung und Planung gestoßen?

Wie kriege ich alles bis zum Abflugdatum geregelt? Ich glaube, mein Kollege, der für den Zoll zuständig ist, hofft, dass das meine letzte Auslandsreise war.

In Ihrem Blog schreiben Sie über das schnelle Wachstum emissionsfreier Energien in Chile. Welche Erkenntnisse können Länder, die ähnliche Ziele verfolgen, daraus ziehen?

In vielen Regionen Chiles muss die Energieversorgung dezentral mit Kleinkraftwerken geregelt werden. Netzstabilität oder Grundlastabdeckung sind dort kein Grund, um emissionsfreie Energiekonzepte zu verhindern. Außerdem scheut das Land nicht davor zurück, die nötige Entwicklung von extremwetterbeständigen Photovoltaik- oder Windkraftanlagen selbst in die Hand zu nehmen.

Hand auf‘s Herz, was vermissen Sie aus der Heimat?

Meine Frau und meinen Sohn. Sie kommen mich bald besuchen und ich kann es kaum erwarten, die beiden wiederzusehen.

Wie geht es nach Ihrem Aufenthalt weiter?

Zuerst werden wir als Familie noch etwas Urlaub machen in Chile, und danach beginnt die spannendste Projektphase. Wir haben den prueba-de-principio – den Grundsatznachweis – erfolgreich abgeschlossen und gießen die Erkenntnisse in die feste Form eines Demonstrators für den Feldeinsatz.

Herr Steinmaßl, wir danken für dieses Gespräch.


Das Interview führte Judith Siegel.

 

Zur Person:

Matthias Steinmaßl, geboren 1991 in Freilassing. Verheiratet, 1 Kind. Studium der Physik an der Technischen Universität München. Seit 2 Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörpertechnologien (EMFT) in München in der Arbeitsgruppe für chemische Sensoren der Abteilung Siliziumtechnologien. Aktuell promoviert er an der Universität der Bundeswehr München zum Thema »DNA-Nachweis mit Biosensoren « und hofft am Fraunhofer Research Center in Santiago de Chile mit seinem Kollegen Derie Fuentes und seiner Kollegin Melissa Soto auf bahnbrechende Ergebnisse.

CONNECT People:

Ziel ist die Internationalisierung der Fraunhofer-Institute durch Auslandsaufenthalte von Mitarbeitenden und die internationale Vernetzung. Aufenthalte von Mitarbeitenden aus allen Bereichen (Technik, Verwaltung, Wissenschaft) werden für 2 bis 5,5 Monate gefördert. Die Bewerbungsfrist der aktuellen Ausschreibungsrunde endet am 13. Januar 2020. Fraunhofer-Mitarbeitende finden im Intranet alle Informationen zur Bewerbung für CONNECT People sowie den Blog aus Chile.