Fraunhofer IZM, Smart and Healthy Living

Umweltrisiken reduzieren, aber wie?

08. April 2020

Dr. Max Marwede, Forscher am Fraunhofer IZM und aktiver Befürworter der Kreislaufwirtschaft, berichtet in seinem Interview von Möglichkeiten zur Veränderung der traditionellen linearen Wirtschaft, die nicht nur negative Auswirkungen auf die Umwelt verringern, sondern auch neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen können.

© Fraunhofer IZM
Schulung Lernfabrik Ökodesign
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Dr. Max Marwede

Was ist eine Kreislaufwirtschaft?

»Der derzeit populäre Begriff »Kreislaufwirtschaft« (circular economy) wurde von der Ellen MacArthur Foundation und McKinsey geprägt. Dieser Begriff kombiniert die verschiedenen Aspekte mehrerer Konzepte wie Ökodesign, Cradle-to-Cradle, Blue Economy oder Biomimicry.

Unter Kreislaufwirtschaft versteht man die Ökonomie geschlossener Stoffkreisläufe, die Produkte durch Reparatur und Wartung, Wiederverwendung und Wiederaufarbeitung möglichst lange am Leben erhalten und damit den Wert der investierten Ressourcen über den gesamten Lebenszyklus des Produkts ausschöpft. Der wesentliche Schwerpunkt der Kreislaufwirtschaft liegt auf der Kombination von Geschäftsmodellentwicklung und Produktdesign, d.h ein Produkt zuverlässig, robust und reparierbar gestalten, um es in „sharing“ oder „pay-per-service“ Angeboten vertreiben zu können.

Die Wissenschaft leistet zurzeit einen großen Beitrag zur nachhaltigen Prozess- und Produktentwicklung sowie zur Nutzung von Mikroelektronik zur Optimierung von Prozessen, Produkt- und Ressourcenströmen. Es existieren jedoch große Herausforderungen bei der Umsetzbarkeit, besonders auf unternehmerischer und menschlicher Ebene. Einerseits herrscht bei vielen Unternehmen Unsicherheit, wie sie dieses Konzept wirtschaftlich umsetzen können und andererseits ist die Nachhaltigkeit in der Denkweise vieler Menschen immer noch nicht tief genug verankert.«

Welche lokalen und globalen Vorteile bietet die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft?

»Die Umsetzung bietet auf der Organisationsebene eine Optimierung der Kundenbindung sowie bessere Netzwerke in der Lieferkette und entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Produktlebenszyklus. Dabei helfen die Methoden der Kreislaufwirtschaft interne Unternehmensprozesse, Produkte und Dienstleistungen zu verbessern und somit Kosten und die Umweltbelastung zu reduzieren. Die Philosophie der Kreislaufwirtschaft führt außerdem zu einer Bindung und einem größeren Engagement der Mitarbeiter. Konkrete Ziele sind unter anderem die Minderung der Treibhausgasemissionen, die Reduzierung der Umweltauswirkungen beim Abbau von Rohmaterialien sowie der Minimierung des gesamten Materialverbrauchs bei der Produktion. Giftige und schädliche Substanzen, die zur Beeinträchtigung der Umwelt, der Natur, der Tiere und der Menschen beitragen, sollen im größtmöglichen Umfang substituiert werden.«

Welche Dienstleistungen bietet das Fraunhofer IZM zum Thema Kreislaufwirtschaft an?

»Die Abteilung »Environmental and Reliability Engineering« am Fraunhofer IZM bietet unter anderem die zweitägige Schulung »Eco-Design Learning Factory« an, bei der in einem interaktiven und interdisziplinären Training die Methoden für die Entwicklung eines kreislaufförmigen Systems und Geschäftsmodellen vermittelt wird. Ansonsten forschen und beraten Wissenschaftler des Instituts zu Ökodesign von Produkten, zur Lebenszyklusmodellierung (LCA), zur Zuverlässigkeit von Produkten sowie zur aktuellen Gesetzgebung. «

 

Die Vollversion des Interviews finden Sie unter blog.izm.fraunhofer.de