Autokino für das Fahrzeugradar

14.8.2019

Die Sensoren in autonomen Fahrzeugen müssen extrem zuverlässig arbeiten, um Verkehrsteilnehmende nicht zu gefährden. Bislang wurden die Sensoren in aufwendigen Testfahrten geprüft. Das neue ATRIUM-Testgerät des Fraunhofer FHR erlaubt es, diese Fahrten künftig zu großen Teilen ins Labor zu verlagern.

© Fraunhofer FHR

Einkanalige Version des ATRIUM-Radarzielsimulators.

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Illustration des ATRIUM-Radarzielsimulators.

Das Auto der Zukunft fährt selbstständig. Doch auch, wenn es bereits Fahrassistenten gibt, die den Menschen unterstützen, sind gänzlich autonome Fahrzeuge noch nicht serienreif. Eine bedeutende Rolle im Entwicklungsprozess spielen Fragen der Verantwortung. Fahrzeughersteller setzen bislang auf Testfahrten und Vergleichsstudien im Umfang mehrerer Millionen Kilometer, um die Zuverlässigkeit von Sensoren zu überprüfen. Werden dabei Fehler festgestellt, müssen Änderungen vorgenommen und neue Testfahrten durchgeführt werden.

Realität im Labor nachgebildet

Labortests verringern diesen Aufwand erheblich. Für Radarsensoren gibt es solche Tests bereits: sogenannte Radarzielsensoren nehmen die vom Fahrzeugradar ausgesandten Radarstrahlen auf und schicken ein künstliches Echobild zum Auto zurück. Jedoch sind die derzeit verfügbaren Radarzielsensoren nicht in der Lage, natürliche Umgebungen adäquat abzubilden. Sie erzeugen ein sehr reduziertes Bild mit einer einstelligen Anzahl von Reflexionen.

ATRIUM-Technologie deutlich leistungsstärker

Das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR hat nun den leistungsfähigeren Radarzielsensor ATRIUM (Automobile Testumgebung für Radar In-the-loop Untersuchungen und Messungen) entwickelt. Er kann dank optimiertem Aufbau der Sendekanäle bis zu 300 Reflexionen erzeugen und somit eine weitaus realistischere Szenerie simulieren. »Wir werden zukünftig in der Lage sein, hochkomplexe Tests laufen zu lassen, dank derer sich der Zeitaufwand von Testfahrten wesentlich reduzieren lässt«, fasst Dr.-Ing. Thomas Dallmann, Leiter der Forschungsgruppe Aachen am Fraunhofer FHR, zusammen.

Der ATRIUM-Radarzielsensor wurde im Mai auf der Automotive Testing Expo in Stuttgart vorgestellt.