Vernetzungsplattform für vertrauenswürdige Elektronik

26. April 2021

Um Elektronik sicher und zuverlässig einzusetzen, muss nachvollziehbar sein, was sie macht und wie sie aufgebaut ist. Aktuell gibt es technische Lösungen und Forschungsarbeiten zu einzelnen Aspekten einer vertrauenswürdigen Elektronik, aber noch niemanden, der die komplette Wertschöpfungskette ausreichend beleuchtet und durchgehende Konzepte liefert. Die »Plattform Vertrauenswürdige Elektronik« möchte hier Hilfe leisten.

© Fraunhofer AISEC
Dr. Johann Heyszl.
© Fraunhofer AISEC
Durch Angriffe auf eingebettete Systeme kann die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit elektronischer Komponenten untersucht werden.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen von Forschungsvorhaben für »Vertrauenswürdige Elektronik (ZEUS)« geförderte Plattform – kurz »Velektronik« – begann ihre Arbeit im März 2021. Dr. Johann Heyszl vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC war an dem Konzept maßgeblich beteiligt und ist der fachliche Leiter des Forschungsvorhabens. 12 Partner aus der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland und dem Verbund Mikroelektronik sowie das edacentrum sind in dem Projekt involviert.

Dr. Heyszl, darf man nicht automatisch jeder Elektronik vertrauen?

Durch die starke Internationalisierung in der Elektronikentwicklung ist das Thema Vertrauenswürdigkeit tatsächlich eine große Herausforderung. Vertrauenswürdig ist Elektronik, wenn sie allen unseren Erwartungen an Funktionalität und Spezifikationen entspricht und gleichzeitig keine Hintertüren oder Schwachstellen für Angreifer offenlässt. Anderweitig könnte das zu Manipulationen, Angriffen oder Ausfällen von ganzen Systemen führen.

Welche Ziele verfolgt das Projekt genau?

Die Vision des Projekts ist es, eine Vernetzungsplattform für vertrauenswürdige Elektronik als Schnittstelle zwischen Forschung und Unternehmen zu schaffen. Hierfür wird in allen Bereichen der Elektronikentwicklung, Fertigung und Analyse an Lösungskonzepten gearbeitet. Die Ergebnisse können anschließend innerhalb der Plattform, für weitere Forschungsvorhaben und vor allem von der Wirtschaft genutzt werden. So werden vertrauenswürdige elektronische Komponenten und Baugruppen zielgerichtet entwickelt, gefertigt, analysiert und danach integriert. Die Plattform »Velektronik« soll als Instrument für die komplette Wertschöpfungskette vertrauenswürdiger Elektronik fungieren und den Ausbau der Technologischen Souveränität in diesem Bereich für die deutsche Industrie und den öffentlichen Sektor.

Stichwort »Technologische Souveränität«: Welche Rolle spielt vertrauenswürdige Elektronik in diesem Zusammenhang?

Wir sind in allen relevanten Anwendungsdomänen – ob in kritischen Infrastrukturen, in der Industrie 4.0, im Automobilbereich oder auch bei medizinischen Geräten – auf elektronische Komponenten angewiesen. Auf diese müssen wir uns verlassen und ihnen vertrauen können, um darauf letztendlich Produkte, Systeme und Infrastruktur aufzubauen. Technologische Souveränität bedeutet, dass wir vor dem Hintergrund einer stark internationalisierten Wertschöpfung die Hoheit darüber behalten, welche konkreten Eigenschaften technologische Komponenten unserer Produkte haben. Das sichert die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, insbesondere des Mittelstands, nachhaltig.

Je mehr wir fortschrittliche Elektronik selbst in Deutschland und Europa konzipieren, entwickeln, herstellen und absichern, desto besser können wir auch nachvollziehen, was Elektronik Dritter leistet oder auch nicht leistet. So können wir weltweit auf Augenhöhe kooperieren und Anforderungen an von uns genutzte oder betriebene Elektroniksysteme durchsetzen.

 

Johann Heyszl promovierte an der Technischen Universität München im Bereich der angewandten Kryptografie und deren Schutz gegen hochentwickelte Seitenkanalangriffe. Am Fraunhofer AISEC in Garching bei München leitet er die Abteilung Hardware Security und stellvertretend das Institut. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit von eingebetteten elektronischen Systemen und vernetzten Geräten für das Internet der Dinge.