Armband für die individuelle Demenztherapie

29.10.2018

Allein in Deutschland leiden fast 1,6 Mio Patienten an Demenz – und die Zahl der Neuerkrankungen steigt. Die für eine fachgerechte Betreuung unerlässlichen Gesundheits- und Pflegeparameter werden bisher oft nicht schnell und strukturiert genug erfasst. Daher arbeitet das Fraunhofer IZM mit Partnern aus Industrie und Forschung an einem Armband, das diese Daten automatisch misst und verarbeitet.

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Das Mess- und Beratungssystem zur Demenztherapie des Fraunhofer IZM steigert die Lebensqualität von Patienten und Angehörigen.

© Fraunhofer IZM / Volker Mai

Beispielansicht eines form-angepassten Elektroniklayouts im Armband.

Das miniaturisierte, modular erweiterbare Mess- und Beratungssystem wird bis März 2019 im Rahmen des PYRAMID-Projekts entwickelt und soll maßgeblich dazu beitragen, die Lebensqualität von Demenzkranken und deren Angehörigen zu steigern.

Alle Daten im Blick

Das System erfasst automatisiert Vitalparameter wie Herzfrequenz, Körpertemperatur oder Hautwiderstand, aber auch äußere Faktoren wie Raumtemperatur, Helligkeit und Lautstärke. In die Analysen werden zudem Bewegungsmuster und Metadaten des Patienten einbezogen. Anhand dieser Daten kann das System eigenständig Notsituationen wie Stürze erkennen, aber auch tagesaktuell geeignete Therapiemöglichkeiten ermitteln oder langfristige Verschlechterungen des Krankheitsverlaufs prognostizieren. Die Informationen werden den Behandlungs- und Pflegebeteiligten per Bluetooth bereitgestellt. Die Patienten können dadurch weitestgehend selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung weiterleben, die Angehörigen werden entlastet und Therapiemaßnahmen individuell optimiert.

Komplexes System auf kleinstem Raum

Neben der Mess- und Übertragungselektronik werden eine USB-Schnittstelle sowie eine NFC-Antenne zum automatischen Türöffnen in das akkubetriebene System integriert. Das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM ist für die Umsetzung der Hardware, die Auswahl der Messkomponenten und die Mikrointegration der Sensorik verantwortlich. Konzept- und Designstudien wurden bereits abgeschlossen; nun wird ein Demonstrator entwickelt. Nach ersten erfolgreichen Probandentests mit Entwurfsdemonstratoren sind noch für dieses Jahr weitere Versuche geplant.

 

Über das Projekt:

Neben dem Fraunhofer IZM sind folgende Projektpartner am PYRAMID-Projekt beteiligt: • ClinPath GmbH (Koordinator) • Charité Universitätsmedizin Berlin • Otto-von-Guericke- Universität Magdeburg • Johner Institut GmbH • Pilotfish GmbH • Binder GmbH. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.