Schnellere Dünndarm- Diagnose dank Kamerapille

24.6.2019

Größerer Bildausschnitt, schärfere Bilder und eine effizientere Bildauswertung – das verspricht eine vom Fraunhofer IZM entwickelte Endoskopie-Kapsel zur detaillierten Untersuchung des Dünndarms.

© Fraunhofer IZM / Volker Mai

Mithilfe der neuen Kapsel-Technologie können Krankheiten wie Magen-Darm-Blutungen schneller diagnostiziert werden.

2001 wurde der menschliche Dünndarm zum ersten Mal mit einer Kapselendoskopie untersucht: Der Patient schluckte eine Pille, in der sich eine Mikrokamera verbarg. Im Körper schoss die Kamera tausende Fotos vom Dünndarm, der mit seinen verschlungenen sechs Metern Länge bis dahin unerreichbar für eine Untersuchung war. Heute ist dank verschiedener Kapsel-Technologien eine bildgebende Analyse des Dünndarms etabliert.

Alle Kapselendoskopien haben jedoch den gleichen Nachteil: Die Bilder werden zeitgetriggert ausgelöst, egal ob sich das Kapselendoskop bewegt hat oder nicht. Hierdurch entstehen redundante Daten, welche händisch gefiltert werden müssen. Durch Bewegungen ausgelöste Aufzeichnungen kann die Anzahl an redundanten Daten auf ein Minimum um bis zu ein Drittel reduziert werden.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF mit 1,2 Mio. € finanzierte Forschungsprojekt »Endotrace« hat eine Kapsel-Technologie hervorgebracht, die keine redundanten Aufnahmen mehr macht. Die Projektpartner entwickelten eine schlicht aussehende, aber mit Hightech ausgestattete bonbongroße Tablette: Neben insgesamt fünf Kameras, einem Tracer und einem Rechenspeicher sind in der kleinen Pille Batterien und ein LED-Licht integriert. Die Pille ist technisch bereits marktreif, muss allerdings noch zugelassen werden.

Aber woher weiß die Kamera, wann sie ein Foto aufnehmen soll? Anhand der Veränderung der Darmzotten erhält der Rechenspeicher ein Signal, und die Kapsel nimmt nach einer Bewegung von 2–3 mm ein Foto auf. Anstelle von mehreren tausend Bildern erzeugt die Endotrace-Kapsel somit weniger als die Hälfte an auszuwertenden Daten und führt schlussendlich schneller zur ärztlichen Diagnose.