Smart and Healthy Living / Fraunhofer IZM

Kontaktlinse für das Trommelfell

30. April 2020

Gemeinsam mit der TU Berlin entwickelt das Fraunhofer IZM eine Mikrobatterie für eine Hörkontaktlinse – das ist ein extrem kleines Hörgerät, welches direkt auf dem Trommelfell aufsitzt.

© Vibrosonic GmbH
Die Hörkontaktlinse liegt direkt auf dem Trommelfell auf und verbessert so die Hörqualität.
© TU Berlin
Die Bestandteile der Hörkontaktlinse sind auf engstem Raum integriert.

Mit 70 Jahren unterliegt jede dritte Person einem Hörverlust von mindestens 35 Dezibel (der Lautstärke einer tickenden Uhr oder eines Zimmerventilators) – ein Hörgerät muss her. Durch das schlechte Übertragungsverhalten der Luftsäule im Gehörgang kommt es bei traditionellen Hörgeräten jedoch häufig zu Rückkopplungs- und Verzerrungseffekten, die das Hören und Verstehen erschweren.

Minimierung von Störfaktoren

Die Hörkontaktlinse liegt direkt auf dem Trommelfell auf. Dieser direkte Kontakt zwischen Trommelfell und Piezo-Aktuator, der anstelle eines Lautsprechers verwendet wird, minimiert Übertragungsfehler und ermöglicht zudem die Wahrnehmung eines breiteren Klangspektrums. Auch das Richtungshören wird maßgeblich verbessert. Dies optimiert insbesondere das Sprachverstehen sowohl bei Ruhe als auch bei Umgebungsgeräuschen.

Mikrointegration für das Mittelohr

Die eigens entwickelten ultradünnen Schallwandler und Batterien ermöglichen die Integration der Systembestandteile auf engstem Raum, sodass die Hörkontaktlinse klein genug für den Einsatz im Mittelohr ist. Einmal eingesetzt, muss das System nie mehr herausgenommen werden, da kein Batteriewechsel notwendig ist. Die Batterien werden durch optische Energieübertragung aufgeladen. Die Anforderungen an die Mikrobatterie sind extrem hoch: Neben der hohen Energie- und Leistungsdichte (ermöglicht eine schnelle Aufladung) der nur 0.7 mm dicken Batterie sollen 2000 Vollzyklen erzielt werden.

Das Konzept des Hörgeräts ist bereits im Rahmen des MikroSystemTechnik-Kongresses 2019 in Berlin vorgestellt worden und wird derzeit klinisch erprobt. Mitte des Jahres 2020 wird die CE-Kennzeichnung erwartet; der Markteintritt in Deutschland ist für 2021 geplant.
 

Hörkontaktlinse:

Neben dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM und der TU Berlin sind folgende Partner an der Entwicklung der Hörkontaktlinse beteiligt:

  • auric Hörsysteme GmbH & Co. KG
  • Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
  • Forschungsschwerpunkt Technologien der Mikroperipherik (TU Berlin)
  • Universität Tübingen, HNO-Klinik Tübingen
  • Vibrosonic GmbH