Smart and Healthy Living

Das letzte Wort … hat heute Dr. Nina Kloster vom Fraunhofer-inHaus- Zentrum

7.9.2017

Frau Dr. Kloster, woran arbeiten Sie gerade? Ein Beispiel meiner aktuellen Tätigkeiten ist die Arbeit am Verbund-Forschungsprojekt »ILIGHTS«. Im Partnerkonsortium untersuchen wir den nicht-visuellen Nutzen eines neu entwickelten LED-Beleuchtungssystems im Schichtbetrieb des BMW-Montagewerks. Langfristig soll das gesundheitliche Wohlbefinden der Mitarbeitenden gesteigert werden. Der 21-wöchigen Studie im Münchener Werk geht eine Vorstudie am Fraunhofer-inHaus- Zentrum voraus, in der die geplanten Methoden, Abläufe, Software- und Hardware-Komponenten auf

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Frau Dr. Kloster, woran arbeiten Sie gerade?

Ein Beispiel meiner aktuellen Tätigkeiten ist die Arbeit am Verbund-Forschungsprojekt »ILIGHTS«. Im Partnerkonsortium untersuchen wir den nicht-visuellen Nutzen eines neu entwickelten LED-Beleuchtungssystems im Schichtbetrieb des BMW-Montagewerks. Langfristig soll das gesundheitliche Wohlbefinden der Mitarbeitenden gesteigert werden. Der 21-wöchigen Studie im Münchener Werk geht eine Vorstudie am Fraunhofer-inHaus- Zentrum voraus, in der die geplanten Methoden, Abläufe, Software- und Hardware-Komponenten auf ihre Praxistauglichkeit geprüft und bei Bedarf angepasst werden.

Welches Projekt von Kollegen aus anderen Fraunhofer-Instituten finden Sie besonders spannend?

Grundsätzlich sind für mich vor allem Entwicklungen und smarte Technologien spannend, die sich mit einem nachhaltigen Umgang unserer Ressourcen beschäftigen. Das Projekt der vertikalen Begrünung von den Kollegen aus dem Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen nutzt die positiven Eigenschaften von Pflanzen, um durch den Einsatz von Systemen zur vertikalen Begrünung zum Beispiel Luftqualität, Mikroklima und Schallschutz im urbanen Raum zu fördern. Der Einsatz vertikaler Grünflächen an Gebäuden für eine Optimierung der Lebens- und Arbeitsqualität stellt für mich eine neue Stufe des künftigen Smart Homes dar. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in diesem Feld sind hochinteressant.

Welche Erfindung möchten Sie im Alltag nicht mehr missen?

Für mich sind Navigationsgeräte und vor allem Google Maps eine wahre Hilfe. Der kostenlose Kartendienst greift auf die Standortdaten der vielen Smartphone-Nutzer zu und kann aus der Datenmasse die Verkehrslage erstaunlich genau abbilden. Maps zeigt in Echtzeit Staustrecken auf allen Straßen – auch die kleinsten Nebenstraßen – an und berechnet den schnellsten Weg mit einem sehr guten Timing. Die App nutze ich mittlerweile fast täglich und sie hat mir rund um Köln schon viele Staustunden und Nerven gespart. Zukünftig will Google aus den Handydaten zudem freie Parkplätze erkennen, was im innerstädtischen Bereich ebenfalls eine wahre Sensation wäre.

Wofür hätten Sie gerne mehr Zeit?

Mehr Zeit für Gespräche bzw. einen Gedankenaustausch ohne einen gesetzten Themen- und Zeitrahmen – ohne Fokus. Ich hätte auch gern mehr Zeit, Veranstaltungen zu besuchen, die weit außerhalb meiner »Welt« liegen. Die Hektik im Arbeitsalltag und Routinen schränken den Geist leider zu gerne ein. Ich denke dabei gern an die Freiheiten während meiner Studienzeit zurück. Heute sind die Momente deutlich rarer, aber ich freue mich nach wie vor, wenn aus ungeplanten oder vermeintlich unwichtigen Gesprächen eine neue, große Idee entsteht.

Ein Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in fünf oder zehn Jahren erreicht haben?

Ich habe soeben die Professur »Gesundheit und Komfort im Gebäude« an der TH Köln angenommen und werde in Zukunft intensiver die gesundheitlichen Aspekte im Gebäude erforschen. In den letzen Jahrzehnten prägten vor allem Themen zur Steigerung der Energieeffizienz die Gebäudetechnik und Gesundheitsaspekte spielen bislang eine sehr untergeordnete Rolle. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass Gesundheit im Gebäudebereich zu einem neuen, großen Zukunftsfeld wachsen wird, welches ich aktiv mitgestalten möchte. Da ich weiterhin eine Fraunhoflerin bleiben werde, sehe ich hier gute Marktchancen für die Fraunhofer-Gesellschaft und insbesondere für das Fraunhofer-inHaus-Zentrum. Vielleicht ergeben sich mittelfristig aus dem Themenfeld Fraunhofer-Arbeitsgruppen auch in Köln. Das würde mich freuen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

»What if? – Was wäre wenn?«. In dem Buch beantwortet Autor Randall Munroe auf wissenschaftliche Art die skurrilsten Fragen – herrlich kreativ, kurzweilig und extrem lustig!

Und zu guter Letzt. Verraten Sie uns noch Ihr Lebensmotto?

»Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone. « (Neale Donald Walsch), denn »Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.« (Henry Ford)

 

Zur Person:

Nach dem Studium an der Universität Duisburg-Essen arbeitete Dr. Nina Kloster als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer UMSICHT. Dort leitete sie u. a. die Forschungsgruppe »Medizin, Technik, Design«, die ganzheitliche Produkte und Konzepte mit dem Ziel untersucht, die individuelle Lebensqualität zu steigern und die Herausforderungen anzugehen, die der demografische Wandel mit sich bringt. Innovative Assistenzsysteme und präventive Produkte für die Medizin-, Sport- und Healthcare-Branche sind seither ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Parallel zur Tätigkeit bei UMSICHT promovierte Dr. Nina Kloster an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg- Universität in Mainz zum Thema Biofilmmechanik. Zum 1. Januar 2016 übernahm Dr. Nina Kloster die Leitung des Fraunhofer-inHaus-Zentrums in Duisburg und führt seither das Konzept des inHaus-Zentrums, als Plattform für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu fungieren, vorwiegend für die Bereiche Energieeffizienz, Raum- und Gebäudesysteme sowie für die Entwicklung zukunftsweisender Produkte und Dienstleistungen für den Gesundheits- und Pflegebereich fort. Zum 1. Juni 2017 übernahm Frau Kloster die Professur »Gesundheit und Komfort im Gebäude« an der Technischen Hochschule Köln.